Erbkrankheiten

Für jeden verantwortungsvollen Züchter sollte es selbstverständlich sein, seine Katzen auf Erbkrankheiten zu testen. Erbkrankheiten verursachen jedes Jahr unzähligen Katzen und ihren Besitzern viel Leid bzw. nicht selten kosten sie der Katze das Leben. Aus diesem Grund ist es unabdingbar, dass eine Überprüfung der Elterntiere auf die gängigsten Erbkrankheiten durchgeführt wird, bevor eine Katze zur Zucht eingesetzt wird. Leider gibt es immer noch zu viele unseriöse Züchter (Vermehrer), die es nicht für nötig halten ihre Zuchtkatzen vor einer Deckung auf Erbkrankheiten untersuchen zu lassen. Auf der einen Seite ist dies schlecht, weil diesen "Züchtern" die Gesundheit der kleinen Katzenkinder nicht so wichtig ist, wie das Geld was sie mit ihnen verdienen können und auf der anderen Seite ist das Wissen um die Untersuchungen auf Erbkrankheiten der Katze leider noch nicht sehr verbreitet bei den Liebhabern, die doch das kleine Kätzchen kaufen wollen. Dem nachstehend ist auch die Bereitschaft von einigen Katzenkäufern für den erhöhten Preis eines Kätzchens, von getesteten Eltern, aufzukommen oft nicht vorhanden.

Für uns ist es von elementarer Wichtigkeit, dass ALLE Katzen, die zur Zucht eingesetzt werden, im entsprechenden Alter, die notwendigen Untersuchungen auf Erbkrankheiten erhalten. Ein jedem seriösen Züchter, sollte die Gesundheit der Katzen immer wichtiger sein als die Kosten für jeweilige Tests. Denn was nützt einem eine optisch perfekte aussehende Katze, mit einem tollen Charakter und super Fell, wenn sie Krank ist und man wohlmöglich nicht sehr lange Freude an ihr hat.

Im Folgenden haben wir ein paar kurze und leicht verständliche Erklärungen zu den wichtigsten Erbkrankheiten aufgelistet.

Bitte kaufen Sie nur Kitten aus verantwortungsbewussten Zuchten, die ihre Katzen auch testen und NUR mit gesunden Tieren züchten!

 

HKM/HCM – Hypertrophe Kardiomyopathie

HCM (englisch: Hypertrophic Cardiomyopathy) ist die bei Katzen am häufigsten vorkommende Herzerkrankung. Hierbei handelt es sich um eine Verdickung des Herzmuskels. Es können Teile sowie der gesamte Herzmuskel betroffen, also verdickt, sein. Dabei wächst die Herzmuskulatur in den Kammerinnenraum des Herzens. So wird das Volumen der Herzkammer erheblich verkleinert und als Folge hieraus, kann die Herzkammer sich nicht mehr ausreichend mit Blut füllen. So kommt es zu einem Rückstau vom Blut in der linken Vorkammer des Herzens und im Lungenkreislauf. Dieser wiederum kann zur Bildung von Lungenödeme (Wasser in der Lunge) oder aber zu Pleuralergüssen (Wasser in der Brusthöhle) führen.

Es wird zwischen der primären und sekundären HCM unterschieden. Die Primäre HCM hat eine genetische Ursache. Mit anderen Worten: sie ist eine Generkrankung die vererbt werden kann. Dieser genetische Defekt vererbt sich autosomal dominant. Unter autosomal versteht man einen Erbgang, bei dem das betroffene Gen auf einem Autosom (ein Chromosom, das kein Geschlechtschromosom ist) liegt. Wie HCM vererbt wird ist wichtig, da dieser Erbgang bedeutet, dass die Nachkommen den Gendefekt von beiden Elterntieren bekommen könne. Was wiederrum bedeutet, dass beide Eltern auf die primären HCM untersucht werden müssen.

Bei der sekundären HCM handelt es sich um eine Herzerkrankung, die aufgrund anderer Erkrankungen entwickelt wird und im Laufe des Katzenlebens, meist aber erst ab 4-5 Jahren, ausbricht. Mit anderen Worten hierbei handelt es sich um eine Folgeerkrankung die nicht vererbt werden kann. Ursachen können u.a. erhöhter Blutdruck, Nierenerkrankungen oder aber auch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) sein.

Das Tückische an der HCM-Erkrankung ist, dass sie für den Katzenhalter meist im Anfangsstadium nicht zu erkennen ist und oft auch von Tierärzten bei Routineuntersuchungen nicht erkannt wird. Die Katzen zeigen selten die typischen Anzeichen einer Herzerkrankung wie u.a. Husten, Röcheln, Hecheln und Mattigkeit. Die Lebenserwartung einer an HCM erkrankten Katze ist abhängig von dem Schweregrad der Erkrankung. Katzen bei denen die HCM früh erkannt wurde, können mit Medikamenten, die die Symptome lindern, nicht aber die Krankheit selbst heilen, behandelt werden. Manche Katzen können so noch viele Jahre leben. Eine Heilung gibt es aber bislang leider nicht.

Aufgrund der schweren Erkennbarkeit sollte undbedingt VOR dem ersten Zuchteinsatz, zur möglichen Früherkennung, ein Herzultraschall von einem dazu ausgebildeten und verifizierten Tierarzt mittels eines Farbdopplers (spezielles Ultraschallgerät das meist in normalen Tierarztpraxen nicht vorhanden ist) durchgeführt werden. Ein EKG oder eine Röntgenuntersuchung sind für die Früherkennung eher unbrauchbar.

Insbesondere von vielen Züchtern hört man immer wieder, dass die Ultraschalluntersuchung lediglich eine Momentaufnahme ist und daher unnütze bzw. reine Geldverschwendung wäre. Richtig ist, dass uns eine Ultraschalluntersuchung immer nur den Zustand des Herzens zeigen kann, wie er im Moment der Untersuchung ist. Morgen oder in einer Woche kann sich die Lage geändert und das Herz eine HCM zeigen. Dennoch ist es wichtig in regelmäßigen Abständen, alle 1-2 Jahre, das Herz anzuschauen und regelmäßig bestätigt zu bekommen, dass das Herz noch in Ordnung ist. Ein einmaliger Schall ohne regelmäßige Wiederholung hingegen sagt zu wenig aus. Außerdem lässt sich durch das regelmäßige Schallen schneller Eingreifen, falls das Herz Veränderungen zeigt.

Neben dem Ultraschall gibt es seit einiger Zeit auch einen Gentest für Maine Coon Katzen. Dieser ist jedoch bzgl. seiner Aussagekraft nicht ganz unumstritten. Die Aussage des Gentestes kann negativ (N/N), positiv, positiv heterozygot (N/HCM) und positiv homozygot (HCM/HCM) sein. Die Praxis zeigt leider, dass die Ultraschalluntersuchung und der Gentest unterschiedliche Aussagen treffen können. So sind negativ (N/N) Gen-getestete Tiere im Schall positiv und positive (N/HCM, HCM/HCM) Gen-getestete Tiere im Schall negativ getestet worden. Dies führt zu großer Verunsicherung bei Züchtern und Haltern.

>> Dr. Jan-Gerd Kreskens Empfehlungen für die Gesundheitsvorsorge

"Die veterinärmedizinische Genforschung hat trotz respektabler Erfolge es leider noch nicht geschafft, einen Gentest zu bieten, der aus züchterischer Sicht von Wert wäre. Von den Gentesten kann man zurzeit nur die Untersuchung auf die Genmutation I (A31P) empfehlen. Für Zuchttiere ist die regelmäßige Ultraschalluntersuchung des Herzens zu empfehlen."

Eine Garantie HCM sicher auszuschließen gibt es leider noch nicht. Dies heißt jedoch nicht, dass Ultraschalltests oder der Genmutation I Test unnötig wären. Ganz im Gegenteil, können durch die Tests auffällige Tiere frühzeitig erkannt, aus der Zucht genommen und so schnell wie möglich mit Medikamenten versorgt werden. HCM ist und bleibt eine schwere und die am häufigsten vorkommende Herzkrankheit bei Katzen. Nur durch Vorsorgeuntersuchungen und selektive Zucht ist möglich dieser Krankheit entgegen zu wirken.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass die HCM nicht nur eine rassetypische Erkrankung ist, sondern sie kommt auch sehr häufig bei Wald-und-Wiesen-Mixen vor. Der Grund warum die allgemeine Meinung, dass Krankheiten wie HCM nur bei Rassekatzen auftreten ist, dass die Wald-und-Wiesen-Katzen zumeist gar nicht erst auf diese Erbkrakheiten hin untersucht werden und dementsprechend auch keine Diagnosen in diese Richtung angefertigt werden.

Eine sehr informative Seite zum Thema HCM! Wir sind Mitglied der Interessengemeinschaft Herzgesunde Katze e.V.

SMA – Spinale Muskelatrophie

Die Spinale Muskelatrophie ist eine Erkrankung der Nervenzellen. Bei betroffenen Katzen kommt es im Alter zwischen 5 und 12 Monaten zu Muskelschwund und Muskelschwäche. Es können dann Haltungsabnormalitäten und eine fortschreitende Instabilität in der Fortbewegung folgen. Die betroffenen Kitten verlieren oft schon im Alter von 5 Monaten die Fähigkeit zu Springen und/oder das Gangbild zeigt ein Schwanken der hinteren Körperteile. Darüber hinaus wird die Lebensdauer durch diese Erkrankung verkürzt.

Die Mutation, welche zu dem Defekt führt, kann mit Hilfe eines DNA-Test nachgewiesen werden. SMA wird autosomal-rezessiv vererbt. Das heißt, dass eine Katze nur erkrankt, wenn sie je ein betroffenes Gen von ihrem Vater- und von der Mutterkatze hat.

Es gibt drei Genotypen:

  1. Die Katze ist negativ (N/N) und trägt die Mutation nicht. Es besteht ein extrem kleines Risiko, dass die Katze an SMA erkrankt. Wichtig ist, dass sie die Mutation NICHT an ihre Kitten weiter geben kann.
  2. Die Katze ist heterozygot (N/SMA) das heißt, sie trägt eine Kopie des mutierten Gens. Ihr Risiko an SMA zu erkranken ist sehr gering. Allerdings kann sie die Mutation zu 50% an ihre Kitten weiter geben. Mit einer solchen Katze sollte nicht gezüchtet werden damit eine weitere Verbreitung der Mutation sofort gestoppt werden kann.
  3. Die Katze ist homozygot (SMA/SMA) das heißt, sie trägt zwei Kopien des mutierten Gens. Ihr Risiko zu erkranken ist extrem hoch. Darüber hinaus wird sie diese Mutation zu 100 % an ihre Kitten weiter vererben. Mit einer solchen Katze sollte also auch auf keinen Fall gezüchtet werden.


Es ist daher wichtig, sowohl den Kater UND die Katze auf diese Mutation VOR dem ersten Zuchteinsatz zu testen. Denn wie gezeigt worden ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass wenn nur ein Elternteil positiv getestet worden ist, die Hälfte aller Kitten an SMA Erkranken können.

PKD – Polycystic Kidney Disease

PKD (deutsch: Polyzystische Nierenerkrankung) ist eine Erkrankung der Nieren. Hierbei bilden sich mit Urin gefüllte Blasen (Zysten), die sowohl in der Nierenrinde, als auch im Nierenmark auftreten können.

Einen Gentest gibt es bisher nur für Perserkatzen. Bei allen anderen Rasse- und Nichtrassekatzen muss auf eine Ultraschalluntersuchung der Nieren UND der Leber zurück gegriffen werden. Dabei schaut der Tierarzt ob auf der Oberfläche kleine Bläschen zu sehen sind. Da es sich bei der PKD um einen autosomal dominanten Erbgang (nicht Geschlechtschromosom gebundener dominanter Erbgang) handelt, müssten beide Elterntiere von dieser Krankheit betroffen sein um dies an ihren Nachwuchs weiter zu geben. Es sind also einmalig BEIDE Zuchttiere zu schallen oder bei Perserkatzen einen Gentest zu machen.

HD – Hüftgelenksdysplasie

  • hd-rntgenbild

Der Deutsche Schäferhund ist aufgrund seiner abgeschrägten Hinterhand wohl der bekannteste Kandidat der einem im Zusammenhang mit der Krankheit HD einfällt. Doch auch insbesondere große Katzen können von dieser Erbkrankheit betroffen sein und sollten daher natürlich getestet werden. Bei der HD handelt es sich um eine Fehlbildung des Hüftgelenkes. Hierbei sitzt der Oberschenkelkopf nicht richtig in der Beckenpfanne, die obendrein oft noch viel zu flach ist. Eine HD lässt sich mittels eines Röntgenbildes ab einem Alter von zwei Jahren feststellen. Eine Untersuchung vor diesem Alter empfiehlt sich nicht, da die Hüftgelenke vorher zum Teil meist noch aus Knorpel bestehen, die sich erst mit ca. zwei Jahren verfestigen und durch Knochen ersetzt werden.
  

PL – Patella Luxation

Hierbei handelt es sich um eine "Knieverletzung" bei der die Kniescheibe immer wieder aus ihrer Führung springt. Die Ursache für die Entstehung der Erkrankung ist nicht vollständig geklärt. Häufig ist jedoch eine angeborene Fehlbildung der Kniescheibe und der Gleitrinne. Darüber hinaus stehen Abweichungen in der Knochenachse zwischen Ober- und Unterschenkel häufig in Verbindung mit Luxationen der Kniescheibe. Die Erkrankung ist meist nicht von Geburt an vorhanden, sondern entwickelt sich während des Wachstums innerhalb des ersten Lebensjahres. Mittels eines Röntgenbildes ist der Zustand des Knies von einem Fachtierarzt zu beurteilen. Einer betroffenen Katze hilft oft nur noch eine operative Vertiefung der Gleitrinne.